ENTZÜNDLICHE MYOPATHIEN

Bei wem ein Krebsscreening besonders dringlich ist

Bei Patienten mit idiopathischen inflammatorischen Myopathien (IIM) ist mit einem deutlich erhöhten Krebsrisiko zu rechnen, an verbindlichen Leitlinienempfehlungen zu geeigneten Screeningmaßnahmen fehlt es jedoch. Britische und US-amerikanische Experten um Rohit Aggarwal, Pittsburgh, führten dazu jetzt ein systematisches Review und eine Metaanalyse durch.

Für die systematische Literaturrecherche wurden die Datenbanken Medline, Embase und Scopus herangezogen. Das Krebsrisiko innerhalb der IIM-Population (also nicht im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung) wurde ausgedrückt als Risk Ratio (RR) für binäre Variable und als gewichtete mittlere Differenz (GMD) für kontinuierliche Variable. Die Evidenz in Bezug auf Krebsscreenings wurde in Form eines narrativen Reviews zusammengefasst.

Insgesamt 69 Studien gingen in die Metaanalyse ein. Als mit einem signifikant erhöhten Krebsrisiko assoziierte Faktoren wurden eine Dermatomyositis (RR 2,21), höheres Alter (GMD 11,19), männliches Geschlecht (RR 1,53), Dysphagie (RR 2,09), kutane Ulzerationen (RR 2,73) und Anti-TIF 1g-Positivität (RR 4,66) identifiziert. Hingegen waren Polymyositis (RR 0,49), eine klinisch amyopathische Dermatomyositis (RR 0,44), Raynaud-Phänomen (RR 0,61), interstitielle Lungenerkrankung (RR 0,49), sehr hohe Serum-Kreatinkinase- (GMD -1.189,96) oder Lactatdehydrogenase-Spiegel (GMD -336,52) sowie Anti-Jo1- (RR 0,45) oder Anti-EJ-Positivität (RR 0,17) als mit einem signifikant geringeren Malignitätsrisiko assoziierte Faktoren identifiziert. In Bezug auf IIM-spezifische Krebsscreenings wurden neun Studien ausgewertet. Im Ergebnis scheinen CT-Scans von Thorax, Abdomen und Becken effektiv bei der Identifizierung zugrundliegender asymptomatischer Malignitäten zu sein. 

Als Fazit kann gezogen werden, dass Risikofaktoren für Malignitäten bei IIM-Patienten bei der Risikostratifizierung unbedingt zu berücksichtigen sind und trotz limitierter Evidenz ein CT-Screening sicherlich sinnvoll ist. Prospektive Studien und die Entwicklung von Leitlinien zum Krebsscreening bei IIM-Patienten sollten noch stärker forciert werden.

Quelle: Rheumatology 2021; doi: 10.1093/rheumatology/keab166