PROGRESSIV-FIBROSIERENDE INTERSTITIELLE LUNGENERKRANKUNGEN

Auch RA-Patienten mit progredienten ILDs profitieren von Nintedanib

Abb.: INBUILD-Studie: Jährliche FVC-Abnahme in Subgruppen mit RA-, SSc- und MCTD-ILD unter Nintedanib vs. Placebo

Abb.: INBUILD-Studie: Jährliche FVC-Abnahme in Subgruppen mit RA-, SSc- und MCTD-ILD unter Nintedanib vs. Placebo

Im Verlauf vieler interstitieller Lungenerkrankungen (ILDs), auch bei mit systemischen Autoimmunerkrankungen assoziierten ILDs, kann sich eine progredient-fibrosierende ILD entwickeln. Die INBUILD-Studie zeigte, dass der Multi-Tyrosinkinase-Inhibitor Nintedanib den Krankheitsverlauf bei Patienten mit progredient-fibrosierenden ILDs unabhängig vom Vorliegen eines UIP-Musters verlangsamen kann. Der jährliche FVC-Verlust betrug ca. 57 % in der Gesamtkohorte und 61 % bei Patienten mit UIP-Muster. Eine neue Subgruppenanalyse ergab überdies, dass der FVC-Verlust unter Nintedanib in INBUILD unabhängig von der zugrunde liegenden ILD-Diagnose gebremst wurde.

Die von Athol U. Wells, London (Großbritannein), und Kollegen publizierte randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Phase-III-Studie INBUILD schloss Patienten mit einer progredient-fibrosierenden ILD, nicht aber idiopathischen Lungenfibrose ein, die in der HRCT einen Fibrosierungsgrad der Lunge von ≥10 % aufwiesen. Weitere Einschlusskriterien waren eine FVC ≥45 % und DLco ≥30 % und ≤80 % vom jeweiligen Sollwert sowie trotz Therapie Fortschreiten der ILD in den 24 Monaten vor dem Screening. Die Patienten wurden für ≥52 Wochen im Verhältnis 1:1 auf 2x täglich 150 mg Nintedanib oder Placebo randomisiert. 

In der Subgruppenanalyse wurde nun der FVC-Verlust (ml/Jahr) über 52 Wochen bei Patienten erfasst, die ≥1 Dosis Nintedanib oder Placebo erhielten und folgenden fünf Subgruppen auf Basis der dokumentierten Grunderkrankungen angehörten: exogen-allergische Alveolitis, mit systemischen Autoimmunerkrankungen assoziierte ILDs – darunter primär solche, die mit rheumatoider Arthritis und systemischer Sklerose, aber auch Mischkollagenosen (RA-ILD, SSc-ILD, MCTD-ILD) assoziiert waren –, idiopathische unspezifische interstitielle Pneumonie, unklassifizierbare idiopathische interstitielle Pneumonie und andere ILDs. Von den 663 eingeschlossenen Patienten wiesen 26 % eine exogen-allergische Alveolitis, 26 % eine mit einer systemischen Autoimmunerkrankung assoziierte ILD, 19 % eine idiopathische unspezifische interstitielle Pneumonie, 17 % eine unklassifizierbare idiopathische interstitielle Pneumonie und 12 % andere ILDs auf. 

Die Reduktion der FVC-Abnahme im Vergleich zu Placebo war in allen fünf Subgruppen unabhängig von der Grunderkrankung konsistent mit jener in der Gesamtkohorte (exogen-allergische Alveolitis 73,1 ml/Jahr; mit systemischen Autoimmunerkrankungen assoziierte ILDs 104,0 ml/Jahr; idiopathische unspezifische interstitielle Pneumonie 141,6 ml/Jahr; unklassifizierbare idiopathische interstitielle Pneumonie 68,3 ml/Jahr und andere ILDs 197,1 ml/Jahr; p=0,41 für die Therapie nach Subgruppen durch Zeitinteraktion). Gerade auch Patienten mit RA- und SSc-ILD (118,2 bzw. 122,8 ml/Jahr) profitierten erheblich von Nintedanib (Abb.), zu jenen mit MCTD-ILD ist keine valide Aussage möglich. In den Subgruppen gemeldete unerwünschte Ereignisse waren ähnlich wie im Gesamtkollektiv.                     

Kompakt: Die Ergebnisse aus INBUILD legen nahe, dass Nintedanib die Rate der ILD-Progression bei Patienten mit progredienten chronisch-fibrosierenden ILDs unabhängig von der Grunderkrankung (so auch bei RA-ILD) verringert. Den Nutzen bei SSc-ILD hatte zuvor bereits die SENSCIS-Studie belegt. Derzeit läuft das Zulassungsverfahren für Nintedanib auch zur Behandlung von progredient-fibrosierenden ILDs bei der EMA. Im März 2020 wurde Nintedanib von der FDA als erste Therapie zur Verlangsamung des Lungenfunktionsverlusts bei chronisch-fibrosierenden ILDs mit progredientem Phänotyp zugelassen.

Quelle: Lancet Respir Med 2020; doi: 10.1016/S2213-2600(20)30036-9