Gichtarthritis

Argumente für frühzeitige Harnsäuresenkung

Bei gesicherter Gicht sollte laut den aktuellen Leitlinien von DGRh und EULAR möglichst rasch mit einer medikamentösen harnsäuresenkenden Therapie begonnen werden. Eine Indikation für primär Xanthinoxidase-Inhibitoren wie Allopurinol oder Febuxostat liegt im Gegensatz zu den ACR-Empfehlungen bereits dann vor, wenn mindestens ein sicherer Gichtanfall aufgetreten ist. Dass sich eine solche Intervention bei früher Gichtarthritis lohnt, bestätigt nun eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie neuseeländischer Rheumatologen um Nicola A. Dalbeth, Auckland.

In der Studie wurden 314 Patienten mit Hyperurikämie (Serumharnsäure-Spiegel, sUA ≥7,0 mg/dl) und früher Gicht (≥2 Episoden) im Verhältnis 1:1 auf 1x täglich 40 mg Febuxostat (Eskalation auf 80 mg falls sUA ≥6,0 mg/dl an Tag 14) oder Placebo randomisiert (in Kombination mit einer Anfallsprophylaxe). Primärer Endpunkt war die mittlere Veränderung im modifizierten Sharp-van der Heijde (mSvdH) Erosions-Score des am stärksten betroffenen Gelenks (in der Regel MTP) im Röntgen von Studienbeginn bis Monat 24. Zusätzlich erfasst wurden die RAMRIS-Scores für Erosionen, Ödeme und Synovitis, die Frequenz von Gichtanfällen und der sUA-Spiegel.

Der primäre Endpunkt wurde verfehlt: Nach zwei Jahren Febuxostat war kein signifikanter Vorteil im Hinblick auf die in beiden Armen sehr niedrige Gelenkerosion im mSvdH-Score auszumachen (je +0,01 bis Monat 24; p=0,47). Im Gesamt-mSvdH-Score bestand unter Berücksichtigung der Gelenkspaltweite mit einer Veränderung von +0,05 unter Placebo vs. 0 unter Febuxostat kein signifikanter Unterschied (p=0,12) – im Vergleich zur RA scheint die Röntgenprogression bei Gicht langsamer voranzuschreiten. Allerdings war Febuxostat versus Placebo mit einer signifikanten Verbesserung des Synovitis-Scores in Monat 24 assoziiert (−0,43 vs. −0,07; p<0,001). Auch die Inzidenz von Gichtanfällen verringerte sich signifikant (29,3 vs. 41,4 %; p<0,05), einhergehend mit einer verbesserten sUA-Kontrolle mit Erreichen des Zielwerts ≤6,0 mg/dl (62,8 vs. 5,7 %; p<0,001). Jedoch beendeten – die Adhärenz-Problematik der Harnsäuresenkung verdeutlichend – nur 59,2 % der Febuxostat- und 57,3 % der Placebogruppe den kompletten 2-Jahres-Zeitraum. Trotz Nicht-Erreichen des primären Endpunkts scheint das rasche Einleiten einer harnsäuresenkenden Therapie somit klare Vorteile zu bieten.

Quelle: Arthritis Rheum 2017; doi: 10.1002/art.40233