RFA AWARD 2022

Erster Innovationspreis für Rheumatologische Fachassistenz verliehen

Abb. 1: Der RFA Award 2022 und die beiden Sonderpreise

Abb. 1: Der RFA Award 2022 und die beiden Sonderpreise

Abb. 2: Von links nach rechts: Petra Wiedemann, Dr. Michaela Bellm, Clarissa Steidl, Kerstin Fröhlich. ©medac

Abb. 2: Von links nach rechts: Petra Wiedemann, Dr. Michaela Bellm, Clarissa Steidl, Kerstin Fröhlich. ©medac

Ulrike Erstling

Ulrike Erstling

Dr. Frank Schulte

Dr. Frank Schulte

In Zusammenarbeit mit dem Fachverband Rheumatologische Fachassistenz (RFA) e.V. hat das Unternehmen medac im letzten Jahr den „RFA Award“, den ersten Innovationspreis für rheumatologische Fachkräfte, ins Leben gerufen. Am 11. Juni 2022 fand in Köln die Preisverleihung mit wissenschaftlichem Rahmenprogramm statt. Diese Auszeichnung zeigt eine große Wertschätzung für die RFA, die als Team gemeinsam mit den Rheumatologen in koordinierter, kompetenter und engagierter Zusammenarbeit eine gute Patientenversorgung gewährleistet.

Im Rahmen einer langjährigen Förderung des Fachverbands durch medac entstand im Jahr 2021 gemeinsam die Idee, herausragende Leistungen im Arbeitsalltag der RFA mit einem Award auszuzeichnen, der die Wertschätzung für RFA und der rheumatologisch tätigen Ärzte, für die engagierte Leistung dieser Berufsgruppe in der Patientenversorgung ausdrückt.

Die Wahl der Gewinner war für die Jury des RFA Awards, bestehend aus der RFA und Rheumatologinnen und Rheumatologen aus Praxis und Klinik, eine große Herausforderung. Die Bewerbungen wurden unter Berücksichtigung von verschiedenen praxisrelevanten Kriterien beurteilt. „Jede einzelne Einreichung wurde mit sehr viel Mühe erstellt. Die Präsentationen waren sehr ideenreich und individuell, die genannten Motivationsgründe gut dargestellt. Das große Engagement, dass die Teams in ihrer täglichen Arbeit leisten, konnte man förmlich spüren“, so Ulrike Erstling, Vorsitzende des Fachverbands für Rheumatologische Fachassistenz e.V., in ihrer Rede anlässlich der Preisverleihung in Köln. Drei Bewerbungen boten ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Daher wurden am 11. Juni 2022 nicht nur der „RFA Award 2022“, sondern auch zwei Sonderpreise verliehen (Abb. 1).

Die Preisverleihung des Awards, moderiert von Jens Müller vom Unternehmen medac, war Teil der RFA-Fortbildungsveranstaltung zum Thema „Rheumatologie früher und heute“. Im Fortbildungsteil der Veranstaltung am 11. Juni 2022 in Köln erläuterten die Experten Ulrike Erstling, Bergisch Gladbach, Dr. Edmund Edelmann, Bad Aibling, Prof. Dr. Andreas Krause, Berlin, Prof. Dr. Xenofon Baraliakos, Herne, und Prof. Dr. Gerd Horneff, Sankt Augustin, die eindrucksvolle Entwicklung der Therapie und der, durch die RFA unterstützen, Patientenversorgung in der Rheumatologie der vergangenen 20 Jahre. Bei Interesse sind die Vorträge noch bis Oktober 2022 auf der Homepage www.rfa-award.de verfügbar.

Die Gewinner im Überblick

In seiner Laudatio verdeutlichte Prof. Dr. Klaus Krüger, München, nochmals, dass man sich angesichts der vielen hochkarätigen Bewerbungen letztlich dazu entschied, neben dem mit 3.500 Euro dotierten RFA Award zusätzlich noch zwei mit jeweils 1.500 Euro dotierte Sonderpreise auszuloben. Zum RFA Award-Preisträger 2022, 1. Platz, wurde das Team „Rheumaärzte Bruchsal/Bretten/Ettlingen“ (Dr. med. Martin Sperling, Clarissa Steidl; verantwortlicher Rheumatologe und RFA) gekürt (Abb. 2). Die Teammitglieder, Dr. Sperling wurde bei der Preisverleihung in Köln von Frau Dr. Michaela Bellm vertreten, haben in ihrer Bewerbung überaus anschaulich die Rolle und Bedeutung der RFA in der Praxis beschrieben. Die anspruchsvollen Aufgaben in den verschiedenen Einsatzgebieten wurden gemeinsam im Team mit den Rheumatologinnen und Rheumatologen des MVZ organisiert und umgesetzt. Jenseits einer Früherkennungssprechstunde (Arzt und RFA) und RFA-Sprechstunde wurde insbesondere das Angebot der Strukturierten Patienteninformation (StruPi) von der Jury positiv hervorgehoben.

Das Praxis-Team der „Rheumatologie und Osteologie Hildesheim“ (Dr. med. Ulrich von Hinüber, Roya Qudrati-Navabi; verantwortlicher Rheumatologe und RFA) erhielt einen der zwei Sonderpreise des RFA Award 2022. Schon sehr früh nach der Weiterqualifizierung zur RFA wurde dort eine „RFA-Sprechstunde“ etabliert. Auch nach dem plötzlichen, tragischen Verlust des Initiators Dr. Winfried Demary, wurde diese weiter ausgebaut. Das Praxis-Team im „MVZ Klinikum Straubing – Rheumatologie“ (Dr. med. Daniel Vagedes, Claudia Dietl; verantwortlicher Rheumatologe und RFA) erhielt ebenfalls einen Sonderpreis. Dieses „Duo-Team“, wahrhafte Pioniere an diesem Standort mit der einzigen RFA und rheumatologisch tätigem Arzt vor Ort, hat eindrucksvoll die rasche Implementierung einer strukturierten RFA-Sprechstunde und die arbeitsteilige Zusammenarbeit beschrieben.

Nächster RFA Award 2024

Auch 2024 wird es wieder eine Preisverleihung in diesem Bereich geben: Die berufliche Leistung der RFA im Team mit Rheumatologen in der Patientenversorgung wird zukünftig alle 2 Jahre ausgezeichnet. Ab Januar 2023 stehen die Bewerbungsmaterialien unter rfa-award.de zur Verfügung.         

Der neue RFA Award: Motivationen und Beweggründe

Zur Bedeutung des ersten RFA Awards befragten wir Ulrike Erstling, 1. Vorsitzende des Fachverband Rheumatologische Fachassistenz e. V. und Dr. Frank Schulte vom Unternehmen medac.

Frau Erstling, seit wann gibt es den Fachverband Rheumatologische Fachassistenz und wie sehen Sie seitdem die Entwicklung der Position RFA in der Praxis?

Der Fachverband Rheumatolgische Fachassistenz hat sich am 30. Oktober 2009 in Köln gegründet und setzt sich somit bereits seit fast 13 Jahren sehr erfolgreich für die Interessen der Berufsgruppe rheumatologischer Fachkräfte ein. Und das nicht nur in Deutschland, sondern seit 2017 richten wir mit der Mitgliedschaft in der EULAR-HPR unseren Blick auch über die Landesgrenzen hinaus. Außerdem arbeiten wir aktiv in Workshops mit. In der Vorbereitung auf meinen Vortrag mit dem Titel „Von 2006 bis 2022 – es hat sich viele bewegt!“, der den Auftakt zur Fortbildungsveranstaltung darstellte, wurde mir nochmal bewusst, wie viel sich in der Rheumatologie weiterentwickelt hat. Neben einem sich stetig erweiterten Portfolio von medikamentösen Behandlungsoptionen und verschiedenen Versorgungsformaten, beispielsweise Selektivverträge und ASV-Rheuma, spielt die RFA im Team mit der Ärzteschaft einer immer bedeutendere Rolle in der Patientenversorgung. Die RFA ist ein wichtiges Bindeglied, sie erhebt strukturierte Anamnesen und Scores, wirkt bei Patientenschulungen mit, führt die vertiefenden Gespräche zur Lebensführung und den Medikamenten inklusive der Therapienanleitung, und vieles mehr…

Die fachkompetente Unterstützung durch die RFA wurde in evaluierten Versorgungsstudien, z. B. ERFASS „Effektivität der RFA-Sprechstunde“ oder StärkeR „Strukturierte Delegation ärztlicher Leistungen bei Patienten mit entzündlichem Rheuma“ positiv bestätigt. Im April 2021 erfolgte die BÄK-Anerkennung Medizinische Fachangestellte „Rheumatologie“ als Spezialisierungsqualifikation mit 120 h, beides sind wichtige Pfeiler für die angestrebte Erreichung einer EBM-Abrechnungsziffer analog zu VERAH/NÄPA in der hausärztlichen Versorgung. Zu beobachten ist, dass sich die RFA-Sprechstunde, ganz unterschiedlich strukturiert, mehr und mehr etabliert. Diese Entwicklung finde ich sehr wichtig für den Erhalt oder sogar zur Verbesserung der Versorgungssituation, denn leider werden die Rheumatologen eher weniger anstatt mehr und die Menschen werden älter, benötigen also auch länger medizinische Versorgung der rheumatischen Grunderkrankung und ebenfalls der damit meist einhergehenden Folge- und Begleiterkrankungen. Was mit Einführung der Biologikatherapien und den curricularen Grundkursen Rheumatologische Fachassistenz DGRh/BDRh, initiiert durch die Rheumatologen und der Rheumatologischen Fortbildungsakademie begann, hat sich für die RFA als Erfolgsgeschichte entpuppt, die engagiert, motiviert und lerneifrig Wissen generiert, sei es zu präsenten oder virtuellen Veranstaltungen. Und deren Chefs, die die Weiterqualifizierung und Fortbildungen fördern. Die BÄK-Anerkennung Medizinische Fachangestellte „Rheumatologie" wurde erzielt, damit die Einordnung in die Tätigkeitsgruppe IV der Gehaltstabelle und der Baustein Wahlteil in der MFA-Qualifikation zum „Fachwirt ambulante medizinische Versorgung“ geschaffen.

Ist der erste RFA Award eine Art Aufbruchsignal?

Zunächst würde ich es als einen weiteren und ganz besonderen Höhepunkt für die Berufsgruppe RFA bezeichnen. Die hat es mehr als verdient, eine gebührende Sichtbarkeit, Aufmerksamkeit und Wertschätzung für Ihr berufliches Engagement in der Patientenversorgung zu erfahren, die mit Fachkompetenz und koordinierter Zusammenarbeit die Fachärzte unterstützt und entlastet. Des Weiteren sehe ich darin eine Ermutigung, dass zunehmend Delegation in der Rheumatologie umgesetzt wird und sich auch RFA-Nachwuchs einfindet. Für die Verbandsarbeit fördert es die Motivation, die Aktivitäten und Arbeit mit angestrebten Zielen energiereich weiter zu verfolgen und umzusetzen. Und wir freuen uns über Mitgliederzuwachs zur Stärkung der Berufsgruppe und Unterstützung.

Was wünschen Sie dem Team Arzt/RFA für die Zukunft?

Die eingereichten Bewerbungen „RFA Award 2022“ haben die Jurymitglieder beindruckt, auf welche unterschiedliche Art und Weise und Strukturen die zielführenden und gelebten Veränderungen im Berufsalltag der heutigen RFA in der arbeitsteiligen Zusammenarbeit mit den Rheumatologen umgesetzt wurden. Dabei spielte die entscheidende Rolle nicht die Größe der Teams oder die Vielfalt der möglichen Patientenversorgung. Daher wünsche ich den Teams Arzt/RFA in der delegativen Patientenversorgung, dass sie als Vorbilder fungieren, die Arbeitsweise fortführen, verfeinern, erweitern und trotz stressigen Phasen einen bereicherten Arbeitsalltag zur Versorgungsverbesserung unserer zumeist dankbaren Rheumapatienten erfahren. Der nächste RFA Award wird 2024 wieder gemeinsam vom Fachverband Rheumatologische Fachassistenz und medac ausgerichtet, dann wird es einen 1., 2. und 3. Platz geben. Ab Januar 2023 startet die Bewerbung, wir freuen uns auf zahlreiche kreative Bewerbungen. Sollten Sie die Preisverleihung am 11. Juni 2022 und die Vorträge verpasst haben, dann einfach auf der Webseite rfa-award.de registrieren und die Aufzeichnungen im Stream online schauen.

Herr Dr. Schulte, was motiviert das Unternehmen medac, ärztliches Assistenzpersonal, also keine typische Zielgruppe Ihrer Branche, zu unterstützen?

Es ist leider eine Tatsache, dass sehr viele Fachbereiche der Medizin mit Nachwuchssorgen zu kämpfen haben. Dieses betrifft in unserem Fall auch die Fachrichtung der Rheumatologie. Um trotzdem eine bestmögliche Versorgung der Patienten in dieser sich immer mehr verschärfenden Situation zu gewährleisten, ist ein Lösungsansatz, dass die Rheumatologen delegierbare Leistungen an die RFA übertragen. Es bildet sich ein Team aus der Rheumatologischen Fachassistenz und dem Rheumatologen, welches in koordinierter, kompetenter und engagierter Zusammenarbeit eine gute Patientenversorgung gewährleistet. Seit jeher unterstützt medac die patientenorientiere Arbeit der Rheumatologen in vielfältiger Art und Weise. Dieser Prämisse folgend, ist es nur richtig und konsequent, nun auch die wichtige und patientenfokussierte Arbeit der Rheumatologischen Fachassistenz zu unterstützen und sichtbar zu machen.

Haben Sie den Eindruck, dass die RFA noch nicht die Akzeptanz erfährt, die ihr eigentlich gebührt?

Bei den Bewerbungen für den RFA Award 2022 haben wir viele Einsendungen erhalten, die an praktischen Beispielen sehr gut und anschaulich den Ansatz der delegativen Patientenversorgung als Team beschreiben. Bei diesen Einrichtungen – da bin ich mir sicher – ist der Teamgedanke der Patientenversorgung führend und die Rheumatologische Fachassistenz wird sowohl von der ärztlichen Seite, als auch von Patienten wertgeschätzt und als ein wichtiger Pfeiler bei der Patientenversorgung akzeptiert. Dieses Bild und die damit verbundene zunehmende Akzeptanz der RFA nehmen wir allerdings verstärkt über alle Einrichtungen in Deutschland wahr. Wir befinden uns derzeit in einer Art Umbruch bei der Beschreibung der Rolle der RFA und des damit verbundenen Selbstbildes. Diese Reise hat begonnen, wir als Unternehmen begleiten die zunehmende Bedeutung der RFA aktiv. Meiner Ansicht nach wird uns das Thema noch lange beschäftigen und die positiven Beispiele werden uns alle viel Freude bereiten. Bei dem Punkt Akzeptanz ist noch Potential nach oben.

Was wünschen Sie der RFA für die Zukunft?

Die RFA ist als ein wichtiger Pfeiler bei der Patientenversorgung nicht mehr wegzudenken. Das Einsatzgebiet hat sich erweitert und die Qualität der Betreuung der Patienten hat sich verbessert. Hier gilt es, nicht stehen zu bleiben, weiter am Ball zu bleiben und sich als RFA zu engagieren und die Rolle sichtbar und mit Kompetenz auszufüllen. Dazu war und ist eine fundierte, praxisnahe und patientenorientierte Ausbildung notwendig. Gerade die Vertiefung dieser Ausbildung, wie sie durch die BÄK-akkreditierte Weiterbildung RFA-Plus erfolgen soll, reduziert mögliche restliche Unsicherheiten seitens der Ärzte (z. B. Delegationstiefe, Abrechnung) und wird das Tätigkeitsfeld der RFAs nochmals erweitern.

Damit wird ein wichtiger Baustein in der Versorgung der rheumatologischen Patienten ausgebaut und das Tätigkeitsgebiet aufgewertet und noch sichtbarer gemacht, welches sich zusätzlich auch noch in einer gesteigerten Arbeitszufriedenheit bemerkbar machen wird.

Frau Erstling, Herr Dr. Schulte, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

Offizielles Mitteilungsorgan des BDRh e.V.