DISEASE MANAGEMENT HÄLT EINZUG IN RHEUMATOLOGIE

DMP Rheumatoide Arthritis durch den Gemeinsamen Bundesausschuss beschlossen

Bereits seit 2002 haben Disease-Management-Programme (DMP) in der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland Einzug gehalten. DMP sind strukturierte Behandlungsprogramme für chronisch Kranke. Die Idee ist, dass ein koordiniertes Vorgehen dazu beitragen kann, unnötigen Komplikationen, Krankenhausaufenthalten und Folgeschäden vorzubeugen. Auch sollen Versorgungsdefizite (Über-, Unter- und Fehlversorgung) abgebaut und die Qualität und Wirtschaftlichkeit der Behandlung verbessert werden. 

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) definiert die relevanten Erkrankungen und die inhaltlichen Anforderungen an die Programme in der DMP-Anforderungen-Richtlinie. Dies betrifft die medizinische Behandlung nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft, Qualitätssicherungsmaßnahmen, Anforderungen an die Einschreibung der Patient/innen, Schulungen der Ärzt/innen und der Patient/innen. Zudem sind Vorgaben für die Dokumentation und die Evaluation enthalten.

Träger der DMP sind die Krankenkassen, die dafür regionale Verträge mit Vertragsärzt/innen und/oder Krankenhäusern schließen. Bis Mitte Juni 2020 waren laut Auskunft des G-BA 7,2 Millionen Versicherte in einem oder mehreren DMP eingeschrieben und 8.955 Programme vom Bundesamt für Soziale Sicherung zugelassen (Stand: 30. Juni 2020).

Zu den zehn bisher definierten DMP-relevanten Erkrankungen ist nun auch die Rheumatoide Arthritis (RA) hinzu gekommen, deren Details am 18. März 2021 vom G-BA beschlossen wurden. 

Es wird erwartet, dass die geänderte DMP-Richtlinie Mitte des Jahres durch Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft tritt. Anschließend erfolgt die Umsetzung auf Ebene der KVen mittels lokaler Verträge, sodass voraussichtlich Anfang 2022 Patient/innen in das DMP RA aufgenommen werden können. Möchte man am DMP als Behandler/in teilnehmen, ist eine entsprechende Einschreibung und Erteilung einer Teilnahmegenehmigung nötig.

Beim DMP RA soll das Ziel einer Verbesserung der Versorgung durch Koordination der Versorgung durch ein Praxisteam, die Förderung der Kooperation aller Beteiligten, eine differenzierte Therapieplanung unter Einbeziehung der Patient/innen, leitliniengerechte (nicht-) medikamentöse Behandlung sowie Stärkung des Selbstmanagements durch strukturierte Patientenschulungen erreicht werden.

Vom Grundansatz sind DMP hausarztzentrierte Programme, d. h. Hausärzt/innen übernehmen die Rolle des/der koordinierenden Arztes/Ärztin und beziehen Spezialist/innen (in diesem Fall Rheumatolog/innen) nach genau festgelegten Behandlungspfaden ein. Beim DMP RA kann jedoch auch der Rheumatologe für seine Bestandspatienten als koordinierender Arzt fungieren.

Ins DMP können grundsätzlich Patient/innen ab dem 18. Lebensjahr eingeschrieben werden. Neben Patient/innen mit bereits gesicherter Diagnose ist auch das Vorliegen einer klinisch gesicherten Synovitis mindestens eines Prädilektionsgelenks (Handgelenke, Fingergrund- und Fingermittelgelenke [außer Daumensattelgelenk] und Zehengrundgelenke [außer Großzehengrundgelenk]) sowie fehlenden Hinweisen für eine andere Ursache der Synovitis und mindestens 6 Punkten (von maximal 10 zu erreichenden Punkten) nach den ACR/EULAR-Klassifikationskriterien ausreichend. Werden 6 Punkte nicht erreicht, kann eine Einschreibung nicht erfolgen. Anschließend sollte jedoch die Diagnosesicherung durch den/die Facharzt/Fachärztin in einem Zeitraum von drei Monaten erfolgen. 

Die aktive Einbindung des Patienten steht wie in allen DMP im Vordergrund und bietet die Chance, evaluierte Schulungsprogramme wie STRUPI-RA noch stärker in der Versorgung zu verankern.

In allen DMP ist eine strukturierte und standardisierte elektronische Dokumentation vorgeschrieben; sie wird auch vergütet. Praktisch alle Praxissoftwaresysteme bieten dafür entsprechende durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung zertifizierte Module an; zusätzlich prüft der BDRh aktuell die Möglichkeit, die Dokumentation über RheMIT oder RheMITplus anzubieten. 

Die Dokumentation bildet die Basis für die Auswertung von Qualitätsindikatoren wie z. B. die Erreichung und der Erhalt der Remission, der Anteil an Patient/innen mit RR unter 140/90 unter bekannter Hypertonie oder die Vermeidung einer Glukokortikoid-Dauertherapie. Teilnehmende Fach- und Hausärzte erhalten regelmäßig Qualitätsberichte (Benchmarks) zu diesen Indikatoren. Dies ist eine Gelegenheit, die Qualität der internistisch-rheumatologischen Versorgung weiter herauszustellen.

Generell ist festzuhalten, dass das DMP RA eine Chance darstellt, regional vernetzte Hausarzt-Facharzt-Strukturen zu schaffen oder zu erweitern. Auch wenn bürokratische Rahmenbedingungen das Programm behindern, kann es eine Facette in der Weiterentwicklung der rheumatologischen Versorgungsstrukturen darstellen.

Zielsetzung der DMP:

  • Strukturierte Behandlung von Patient/innen mit chronischen Erkrankungen
  • mittels definierter Versorgungsprozesse
  • auf Basis individuell vereinbarter Therapieziele

Weitere DMP-Elemente:

  • Patientenschulungen
  • Regelmäßige Informationen für Ärzt/innen und Patient/innen
  • interdisziplinäre, berufs- und sektorenübergreifende Behandlung
  • standardisierte Dokumentation des Behandlungsverlaufs

Im Mittelpunkt steht der/die koordinierende Arzt/Ärztin. Er/Sie:

  • vereinbart konkrete Behandlungsziele mit den Patient/innen
  • steuert die Behandlungsschritte
  • sichert das Zusammenwirken der Versorgungsebenen
  • dokumentiert den Behandlungsverlauf regelmäßig

Offizielles Mitteilungsorgan des BDRh e.V.