BILDGEBENDE DIAGNOSTIK

Abb. 1: MRT Thorax cor T1+FS+KM, Abb. 2: MRT Thorax ax T1+FS+KM

Abb. 1: MRT Thorax cor T1+FS+KM, Abb. 2: MRT Thorax ax T1+FS+KM

Ein Patient mit rheumatoider Arthritis und neu aufgetretenem Weichteiltumor am Rücken – ein Elastofibroma dorsi 

ANAMNESE: Bei dem 76-jährigen Patienten ist seit 10 Jahren eine seropositive rheumatoide Arthritis bekannt. Z. n. Basistherapien mit Methotrexat (MTX), Leflunomid und Sulfasalazin. Remissionsinduktion durch 1-jährige Therapie mit Abatacept (aufgrund erreichter Remission 2018 beendet). Seither nur Monotherapie mit MTX 15 mg/Woche. Bei einer Routinewiedervorstellung 2/2021 berichtete der Patient über eine zunehmende Vorwölbung linksseitig am Rücken unterhalb des Schulterblatts. Klinisch zeigte sich ein ca. 8x10 cm großer, gut verschieblicher subkutan gelegener Tumor – klinisch am ehesten als ein Lipom imponierend. 

KLINISCHER BEFUND: 172 cm, 176 kg. Gelenkstatus: keine peripheren synovitischen Schwellungen. Faustschluss beidseits. Im Rückenbereich, unterhalb des Schulterblatts tastbarer, ca. 8x10 cm großer, gut verschieblicher Weichteiltumor.

LABOR: CRP 7,4 mg/l (Norm bis 5 mg/l), BKS 38/h, Hb 15,3 g/dl, Harnsäure 8,7 mg/dl, RF neg., ccP-Ak neg., ANA neg. 

BILDGEBENDE DIAGNOSTIK:

Weichteilsonografie: Im Bereich des unteren Randes des linken Schulterblattes findet sich eine ca. 8x10x10 cm große, intermuskulär gelegene echoarme Raumforderung – am ehesten einer DD Lipom entsprechend.

MRT Thorax (mit KM): Struktur unterhalb der Spitze der Scapula linkseitig (Größe ca. 80x100x36 mm) mit Septierungen und auffälliger Weichteilvermehrung im apikalen Abschnitt des Tumors. Der Befund ist nicht typisch für ein Lipom, differenzialdiagnostisch sind auch Veränderungen im Rahmen eines Sarkoms möglich. 

DIAGNOSE: Elastofibroma dorsi

BEMERKUNGEN: Das Elastofibrom wird in der Regel bei Menschen ab dem 5. Lebensjahrzehnt beobachtet. Die Geschlechtsverteilung scheint ausgewogen zu sein. Die Gesamthäufigkeit ist selten oder sehr selten. Bei älteren Patienten wird die Häufigkeit mit bis zu 2 % angegeben. Das Elastofibroma dorsi kann ein-, häufig aber auch beidseitig auftreten. Das Auftreten an drei Stellen ist als Einzelfall beschrieben. Über die Entstehung besteht bisher keine Klarheit. Neben genetischen Ursachen werden vor allem wiederholte Mikrotraumata diskutiert. 

Ein Elastofibroma dorsi wird in vielen Fällen zufällig in der Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) entdeckt, ohne dass es Beschwerden machte. Wenn solche auftreten, werden diese unspezifisch beschrieben, manchmal mit einem Fremdkörpergefühl am Schulterblatt/Rücken. Selten treten Schmerzen auf. 

Die Darstellung der unscharf begrenzten Gewebevermehrung an oben genannter Stelle ist sowohl in der CT als auch in der MRT mit typischen Merkmalen möglich. Der Befund ist nahezu pathognomonisch und muss präoperativ nicht durch eine Biopsie gesichert werden. Andere Weichteiltumoren wie z. B. Lipome, Fibrome oder Sarkome sind differenzialdiagnostisch zu diskutieren. 

VERLAUF: Der Tumor wurde ohne Komplikationen operativ entfernt. Eine weitere Therapie war nicht geboten. 


Prof. Dr. med. Herbert Kellner
Facharzt für Innere Medizin, Rheumatologie, 
Gastroenterologie und Physikalische Medizin
Romanstr. 9, 80639 München

Offizielles Mitteilungsorgan des BDRh e.V.